Zaubern in der Kirche?

Als gläubiger Christ trete ich auch öfter mal in Kirchen auf - sowohl als Zauberkünstler wie auch besonders häufig mit meinem Musik-Comdey-Duo superzwei. 

So wie in diesen Kreisen früher diskutiert wurde, ob Rockmusik in die Kirche gehört, taucht immer mal wieder die Frage auf, wie sich Zauberei mit meinem christlichen Glauben vereinbaren lässt.

 

Für die meisten Besucher meiner Zaubervorführungen scheint diese Frage seltsam, unverständlich und unnötig.

Tiefgläubige Menschen aber, die die Bibel sehr ernst nehmen, haben durchaus vereinzelt damit ein Problem. Sie missbilligen meine Täuschungskunst oder verurteilen mich sogar dafür, dass ich als Zauberer auftrete.

 

Für diese Menschen habe ich die folgenden Zeilen verfasst.

 

Denn in der Tat finden sich in der Bibel einige Stellen über Zauberei.

Oft wird diese mit vielen anderen Dingen verglichen, vor denen wir von Gott gewarnt werden und die wir als gläubige Menschen tunlichst meiden sollen.

Es gibt regelrechte Drohungen in der Bibel dazu:  "Wer so etwas tut, wird niemals in das Reich Gottes kommen." (Galater 5,21).

 

Dazu muss man allerdings wissen, dass damals wie heute Zauberei, Wahrsagerei, Totenbeschwörung und ähnliches als Mittel benutzt wurde und wird, um Menschen zu beeinflussen. Ängste, Aberglauben und dergleichen werden als Machtmittel missbraucht, um die eigenen Interessen durchzusetzen und Menschen in bestimmter Weise zu beeinflussen.

Die hier erwähnten Mittel der Zauberei, mit denen auch heute noch gearbeitet wird und laut Bibel auch mit übernatürlichen Kräften, mystischen und übersinnlichen Praktiken zu tun haben,  werden mit dem Begriff "okkulte Kräfte" oder einfach nur als "Okkultismus" bezeichnet. Der Begriff okkult stammt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt "verborgen", "verdeckt".

 

Nun ist es aber so, dass wir in unserer deutschen Sprache ein Sprachproblem haben.

Was die Bibel eindeutig als Zauberei verurteilt, ist nicht dasselbe, was ich als Zauberkünstler auf der Bühne vorführe.

Denn wir haben in unserer Sprache leider kein anderes Wort, sondern wir benutzen für zwei verschiedene Dinge im Deutschen ein und dasselbe Wort: Zauberei bezeichnet all das, was mit Okkultismus zu tun hat. Aber es beschreibt auch das, was ich als Täuschungskünstler auf der Bühne mache. Doch dies sind zwei völlig unterschiedliche Dinge.

 

In der Bibel sind oben genannte okkulte Aktivitäten tabuisiert. Von diesen Dingen distanziere auch ich mich sehr deutlich und halte diese genauso für falsch.

 

Das aber, was ich tue, ist Unterhaltungszauberei oder besser benannt als Täuschungskunst. Im Englischen gibt es die sprachliche Unterscheidung zwischen "wizard" (Hexer) und "magician" (Zauberkünstler). Eine solche semantisch-sprachliche Unterscheidung haben wir im Deutschen leider nicht. Zum klareren Verständnis: Ich bin als Zauberkünstler als "magician" einzuordnen.

Und das ist in diesem Fall als ein Handwerk zu verstehen, eine Fertigkeit, die in erster Linie Unterhaltungscharakter hat und für diesen (einzigen) Zweck auch benutzt wird. Nicht umsonst spricht man hier von einer Kunstform.

In der Unterhaltungszauberei werden vom Künstler Tricks angewandt, bei denen es sehr real und natürlich mit erklärbaren Lösungen zugeht, welche jedoch verständlicherweise nicht preisgegeben werden. 

Denn letztendlich soll es Unterhaltung sein und auch bleiben. 

Wenn sich eine Karte sichtbar in eine andere verwandelt, wenn ein Ball verschwindet oder in einem offensichtlich leeren Behälter plötzlich Unmengen von Tüchern erscheinen, dann hat das rein gar nichts mit Übersinnlichem zu tun, auch wenn man sich das nicht erklären kann. 

Denn man soll es sich auch nicht erklären können.

Man soll sich wundern, "verzaubert" werden von diesem außergewöhlichen Augenblick und an seiner eigenen Wahrnehmung zweifeln.

Mein Wunsch - und der eines jeden Zauberkünstlers- ist es, Staunen und Faszination auszulösen. Es soll nach einer solchen Vorführung die Frage im Raum stehen: "Wie hat er das nur gemacht?" 

Für jeden klardenkenden Menschen ist es einleuchtend, dass es für diese Tricks eine logische und natürliche Erklärung gibt.

Und die Besonderheit an dieser Situation ist außerdem:

 

Der Zuschauer weiß von Anfang an, dass ein Trick dahinter steht.

 

Der Besucher einer Zaubershow lässt sich ganz bewusst von mir als Künstler täuschen, ja, er will es sogar und ist enttäuscht, wenn mir das das misslingen sollte!

 

Harry Houdini, einer der größten Täuschungskünstler überhaupt, hat das wunderschön ausgedrückt:

 

„Der Zauberkünstler ist der ehrlichste Mensch der Welt – er verspricht uns zu täuschen - und er hält Wort.“

 

Diese Art der Kunstform soll einzig und allein dazu ausgeübt werden, die Zuschauer auf angenehme, verblüffende und überraschende Art zu unterhalten.

Es geht nie um Manipulation oder Beeinflussung zu eigenen Zwecken, sondern immer um Unterhaltung.

Dabei bemühe ich mich (im Gegensatz zu sogenannten "Mentalisten" wie Uri Geller) darauf zu achten, keine angeblichen übernatürlichen Fähigkeiten vorzuspielen, sondern lediglich mit Fingerfertigkeit, geschickten Methoden und auch Hilfsmitteln zur wirkungsvollen Täuschung und Ablenkung des menschlichen Gehirns zum Wundern und Staunen anzuregen.

Und so werden auch die Kunststücke während einer Vorführung durch eine hoffentlich immer geschicktere Darstellung auch immer im "Verborgenen" und "verdeckt" bleiben.

 

Denn es gibt nichts besseres, als fasziniert, humorvoll und unterhaltsam hinter's Licht geführt zu werden.

 

Ein gutes Maß an Technik, Fingerfertigkeit und gezielter Irreführung des Publikums addieren sich dabei zu der perfekten Täuschung.

Die Täuschungseffekte sind jedoch für nicht eingeweihte Zuschauer aber oft so stark, dass sich manche keine andere Möglichkeit als die Verwendung übernatürlicher Kräfte zur Erklärung vorstellen können. 

Aber auch, wenn es so aussieht, als könnte ich als vorführender Künstler die Naturgesetze aufheben, geht es in Wirklichkeit natürlich immer um Täuschungen. 

Daher lasse ich mich auch lieber als Täuschungskünstler oder Kinder(ver)zauberer ansagen.

Manche Kollegen bezeichnen sich auch aufgrund des Mangels einer deutschen Definition als "Illusionist". Das mag richtig und erklärend sein, aber ich finde das eher irritierend, wenn man wie ich überwiegend für Kinder unterwegs ist. Denn die können mit diesem Begriff nichts anfangen. Für Kinder bin ich "der Zauberer".

 

Und nebenbei:

Ich nutze durchaus so wie meine Musik auch meine Täuschungskunst dafür, um von meinem Glauben zu erzählen und durch die Zauberkunst deutlich werden zu lassen, was mein Leben lebenswert macht. Die Sparte der Zauberkunst, die sich ausschließlich diesem Zweck widmet, nennt sich "Gospel Magic" und finde ich sehr sympathisch.

In erster Linie werde ich aber meist nicht dafür gebucht, sondern soll als Künstler Kinder und Erwachsene zum Staunen bringen, Unterhaltung bieten und "verzaubern". Wenn es aber ausdrücklich gewünscht wird und der Rahmen passt, lassen sich in meine Vorführungen auch geistliche Inhalte einbauen.

 

Gerne verweise ich auch auf die "Gemeinschaft christlicher Zauberkünstler Deutschland (FCMG)", zu denen ich zwar selbst nicht gehöre, denen ich mich aber durchaus verbunden fühle.

 

 

P.S.: Wer mal von einem Täuschungskünstler in der Bibel lesen möchte, dem empfehle ich Hesekiel 37, 15ff.

© 2018 by Volker Schmidt-Bäumler

»Der zauberhafte Schmittini«

Hauptstraße 37, 69517 Gorxheimertal

Telefon: +49 (0) 6201-29 39 42

  • facebook-square